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Wer die Via Alta einmal erreicht hat, überwindet keine derartigen Steigungen mehr, die Ausblicke hingegen bleiben .atemberaubend. Auf der erste Etappe von der Capanna Borgna nach Alpe Fümegna ist es der Blick von den Metalltritten hinter dem Poncione di Piotta aus zwischen den Beinen hindurch in das Hunderte von Metern tiefer gelegene Val Carecchio. Am folgenden Tag geraten wir ins Träumen auf den herrlich aussichtsreichen Graten der Cima di Rierna, tausend Meter über dem Val d'Ambra, oder auf dem Gipfel der Cima di Gagnone, der uns mit der Sicht auf die wilden und schroffen Gipfel des nördlichen Verzascatales beglückt, während gegen Süden der Lago Maggiore seinem Namen alle Ehre macht. Staunend blicken wir am dritten Tag mit dem Ziel Capanna Cognora vom Cramosino (2717 m) auf die Ebene (358 m) bei Bodio in der Riviera hinunter. Wir schlucken leer, als wir nach dem Gipfel des Madom Gröss zwei Türmchen überklettern müssen: Die Halden fallen steil in die Val Cramosino ab. Wir werden nachdenklich, als wir vom Pizzo di Mezzodì durch die Valle d'Usedi in die Biaschina mit ihrem Autobahnviadukt und den Bauten der SBB hinunterblicken: hier oben unberührte Bergwelt, dort unten die wichtigen Alpentransversalen!
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Wanderung in die Tessiner Vergangenheit
Die Via Alta belohnt ihre Besucher/innen aber nicht nur mit herrlichen Fernblicken, sondern auch mit Einsichten in die Wildheit dieser Gegend: Unglaublich die Schroffheit der Val Carecchio. Waldig und geheimnisvoll die Valle di Drosina. Vergessen und schwer zugänglich die Val d'Iragna, stellvertretend für andere Seitentäler. Verfallene Alphütten verraten, dass die Bauern einst die Ziegen herauftrieben und das wenige Heu holten, um nicht verhungern zu müssen.
Die Via Alta zeigt mehrere jener Hungeralpen. Nur äusserste Not kann unsere Vorfahren beispielsweise nach dem trostlosen Trecc in der Val Vegornèss getrieben haben. Auch die Alpe Cognora ist eine dieser "Alpe di fame", heute mit einer liebevoll renovierten Hütte als Unterkunft für Wanderer, wo wir Panoramablick und Merlot geniessen. Welch mühselige Arbeit bedeutete es, all die Zugangswege in Stand zu halten! Ständig drohten Erdrutsche, Lawinen und Verwaldung. So sind die meisten dieser Wege verschwunden und werden kaum mehr begangen. Sie aufzuspüren bleibt Liebhabern mit entsprechender Erfahrung vorbehalten. Eine Ahnung davon erhält, wer sich gegen Ende der ersten Etappe hinter Cornavosa durch Grasbüschel und Schwarzerlen dem ehemaligen Weg entlang nach Fümegna durchkämpft.
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