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DIE WOLLE
Das Wort Wolle bezeichnet das Fell einiger Säugetiere: Schafe, Ziegen, Hasen, Kamele, Lamas usw. Die Wolle erster Qualität ist die des Rückens; sie ist weich, aus feinen, widerstandsfähigen und elastischen Fasern zusammengesetzt. Äusserlich weisen diese Fasern eine schuppenartige Struktur auf, wodurch sie dazu neigen, sich miteinander zu verhaken, und dabei Fäden zu bilden.
In der Casa della lana von Sonogno befasst man sich mit der Bearbeitung der Schafwolle; dieses Heft fasst in groben Zügen den Weg zusammen, den dieser Stoff zurücklegen muss, bevor es, zum Beispiel,
zu einem warmen und schönen Pullover wird! |

Die schuppenartige Struktur einer Wollfaser |
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Die Schere |
SCHEREN UND WASCHEN
Während des Winters ist das Fell, das das Schaf umhüllt und das es an den kalten Tagen schön geschützt hat, immer dichter geworden. Mit den ersten warmen Tagen stört dies aber das Tier, der Züchter schert daher die Tiere, bevor er sie in die Höhe führt; mit Hilfe spezieller - elektrischer oder manueller - Scheren kürzt er das lange Fell des Schafes.
Vor dem Gebrauch muss die gerade geschorene Wolle gewaschen werden. Mit der Wäsche werden Staub, Reste trockener Blätter usw. Entfernt, und teilweise auch jene Substanz, die die Wolle fettig macht und die dem Schaf als Schutz gegen Regen und Schnee dient. Jetzt kann die eigentliche Bearbeitung beginnen.
Es ist der anstrengendste und der längste Moment der ganzen Bearbeitung, aber auch einer der kreativsten. Die Färbung wird mit natürlichen Farbstoffen ausgeführt und die erzielten Resultate können von einem Mal zum anderen verschieden ausfallen, trotz genauer Anleitungen.
Hier also die wichtigsten Schritte bei der Färbung:
1.
Klotzverfahren: Vorbereitung der Wolle mit Mineralsalzen, damit die Fasern bereit sind, die Farbe aufzunehmen.
2.
Zubereitung des Färbebades: Kochen der Blätter, Schalen usw. (z.B. 15 kg Birkenblätter für 5 kg Wolle).
3.
Färbung: Kochen der Wolle im Färbebad, eine Stunde lang, dann abkühlen lassen.
4.
Waschen der Wolle.
5.
Trocknen im Freien. |
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FARBSTOFFE
GELB
Birken-, Erlenblätter
Zwiebelschalen
Erika
Apfelbaumrinde, usw.
SENFGELB / BRAUN
o Nussbaumblätter
grüne Nussschalen
ROSTROT
o Wurzel der Färberröte
BLAU
indigo
ZYKLAMROT / ROSA
Koschenille
VIOLETT
Koschenille + Kochen im Eisenkessel oder
1 rosa, dann ein blaues Bad
GRÜN
o gelbes Bad, dann blaues Bad
ORANGE
Reste von gelbem Bad + Reste von rotem Bad mit Färberröte
NB Das Färbebad wird mehrmals benützt, und so werden für denselben Farbton verschiedene Abstufungen erreicht. |
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DIE FÄRBERRÖTE
Die Färberröte ist die wahrscheinlich wichtigste Färbepflanze. Bei uns ist sie mittlerweile unbekannt, da fast nicht mehr mit Pflanzen gefärbt wird; früher wurde sie aber extra für die Färbung angebaut. Auf den persischen oder marokkanischen Märkten kann man noch grosse Körbe mit Färberrötewurzeln sehen, in diesen Ländern wird die Pflanze noch für Handwerksarbeiten benützt. Die Färberröte hat rötliche, verästelte Wurzeln, mit einem starken Geruch. Die Früchte werden wegen der Samen aufbewahrt und die Wurzeln zum Färben. Der Rest wird nicht benützt. Die Wurzeln der Färberröte werden zwischen dem 18. und dem dreissigsten Wachstumsmonat gesammelt, sie werden getrocknet und zerkleinert. Das Färben mit Färberröte verlangt eine besondere Sorgfalt. Die erhaltenen Farben, von den Rottönen zum Ziegelrot, zu den Orangetönen, sind sehr schön, aber es kann leicht passieren, dass die Wolle Flecken bekommt. |
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DIE KOSCHENILLE
Die Koschenille ist ein Insekt, das auf den Kakteen lebt. Es stammt aus Mexiko und aus Guatemala. Es wurde von den Inkas, den Mayas und den Azteken zum Färben benutzt. Nach 1518 wurde es von den Spaniern nach Europa importiert. Die Färbesubstanz wird aus der weiblichen Koschenilleschildlaus gewonnen, die nach der Paarung eingesammelt wird. Es gibt verschiedene Sorten Koschenille, die am meisten geschätzte ist die Morellen-Koschenille.
Seit jeher wurde die Koschenille nicht nur zur Färbung von Stoffen verwendet, sondern sie nützte auch den Malern, den Acquarellmalern, den Miniaturmalern und wurde für die Färbung künstlicher Blumen und Lebensmittel verwendet. Die Koschenille hat ein sehr hohes Färbevermögen, das nie mit nur einem Bad endet; sie reicht immer für ein zweites, oft auch für ein drittes Bad, wobei immer hellere Farbtöne entstehen. Die Koschenille ist im Reformhaus in Pulverform erhältlich, oder in noch zu pulverisierender Form. |
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DAS INDIGO
Das Indigo ist ein hellblauer, sehr solider Farbstoff; er wird aus den Ästen und den Blättern verschiedener Arten von Indigofera gewonnen; Indigofera ist eine Pflanze, die vor allem in Indien, in Java und in China wächst. In Europa gewann man das Indigo aus dem Waid, der isatis tinctoria, bis Marco Polo aus dem Orient das Rezept zur Färbung mit dem Indigopulver mitbrachte. Das Indigo hat sich aber in Europa erst nach 1500 verbreitet. Das Indigo ist die älteste bekannte Farbe, und in Ägypten sind Mumien von 1500 v.Chr. gefunden worden, die in Indigoblau gefärbte Tücher gehüllt waren. |
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DAS KÄMMEN
Nach dem Waschen und Färben muss die Wolle gekämmt werden. Zweck dieses Vorgangs ist es, die restlichen Unreinheiten aus der Wolle zu entfernen, die Knoten zu lösen, die Fasern zu entwirren und aufzureihen. Der Kammvorgang kann von Hand oder maschinell ausgeführt werden. |

Früher benützte Kämme |
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Die Kämmmaschine |
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DAS SPINNEN
Jetzt ist die Wolle bereit, gesponnen zu werden. Ihre Fasern werden gezwirnt, bis ein dünner Faden entstanden ist, der für Strickarbeiten mit der Hand oder mit dem Webstuhl geeignet ist. Diese Arbeit kann mit der Spindel oder mit dem pedalgetriebenen Spinnrad ausgeführt werden. |

Mit der Spindel spinnen ist das älteste und einfachste Verfahren. |
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Beim Spinnen mit dem Spinnrad, werden zwei Bewegungen gleichzeitig ausgeführt: mit dem Fuss das Pedal treten und die Fasern mit der Hand begleiten. |
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Jetzt wird es an der Geschicklichkeit der Strickerin liegen, die entstandene Wollfaser in ein schönes Kleidungsstück zu verwandeln: einen Pullover, eine Jacke, einen Schal, ein Schultertuch oder andere. |
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